Die Wahrnehmung trainieren mit NLP

Bewusster leben mit NLP

Wochenlang habe ich hin- und herüberlegt, was mein Thema für die Masterarbeit sein könnte. Welche Verknüpfung eines beruflichen oder privaten Tätigkeitsfeldes, in dem ich mich gut auskenne, oder auch Hobbys wie z.B. Sport, Meditation oder Literatur mit den Techniken und Grundlagen von NLP für mich so wesentlich wäre, dass ich darüber schreiben könnte.

Und – oh Schreck – es ist mir beim besten Willen kein Gedanke dazu gekommen. Nichts, absolut nichts wollte mir einfallen. Panik!

Panik? Warum denn Panik, nur weil ich es nicht schaffte, eine NLP-Masterarbeit über ein vorgegebenes Thema auftragsgemäß zu erstellen? Was zeigt sich da für ein unangemessenes Verhalten, mit welcher auffällig überhöhten Dimension – Panik – reagiere ich auf eine nun wirklich nicht lebensbedrohende Aufgabe? Warum verhalte ich mich so? Und damit sind wir mitten im Thema.

Die Wahrnehmung trainieren mit NLP

Foto DarkWorkX auf Pixabay

Bevor ich meine NLP-Ausbildung begonnen hatte, wäre die einzige mir zur Verfügung stehende Reaktion, das einzig mir mögliche Verhalten in diesem Dilemma gewesen: „Reiß dich zusammen, du musst diese Aufgabe erledigen, du musst das Thema genauso abarbeiten, wie es dir – „von oben“ – gestellt wurde. DU musst funktionieren!“

Jetzt, inmitten meiner NLP-Masterausbildung, weiß ich um so vieles mehr. Dank NLP habe ich nun Wahlmöglichkeiten, wie ich mich verhalten, wie ich reagieren kann:

– Ich kann aus einer Meta-Position dissoziiert auf diese Situation blicken – Kerstin sitzt ratlos und in beginnender Panik vor einem leeren weißen Blatt – und ich kann diese Situation nunmehr völlig anders bewerten, sie aus einer anderen Perspektive, einem anderen Rahmen heraus betrachten (Re-Framing) und es mir selbst dadurch ermöglichen, eine Lösung und eine andere Handlungsoption für mich zu finden.

– Was mir in diesem inneren Dialog „Reiß dich zusammen, du musst diese Aufgabe erledigen, du musst das Thema genauso abarbeiten, wie es dir – „von oben“ – gestellt wurde, du musst funktionieren!“ von einem meiner Anteile, einem inneren Antreiber, einem inneren Kritiker eingeflüstert und oktroyiert wurde, ist nichts anderes als ein limitierender Glaubenssatz. Und zwar einer von der härtesten Sorte, der auf Identitätsebene angesiedelt ist, ein „du musst…“.

Und es ist nunmehr für mich mit meinem bisherigen NLP-Wissen im Hintergrund ein mehr als beglückendes Gefühl, diesem mich sehr limitierenden Glaubenssatz „du musst“ effektiv zu Leibe rücken und ihn auflösen zu können. Zum Beispiel mit einem Six-Step-Reframe– Format mit kindlichem Anteil. Oder auch mit einem Diamond-Format, indem ich als negativen Ausgangs-Glaubenssatz formuliere „Ich muss funktionieren“. Und mit diesem Glaubenssatz den Diamond auf seinen beiden Ebenen durchgehe, durchdenke und durchspüre. Und durch sein wunderbar harmonisches, zwischen Verstand und Emotion changierendes, niemanden verletzendes, und so intensiv neue Räume aufmachendes, Potential selbst tiefsitzende Glaubenssätze auf sehr achtsame und wertschätzende Art auflösen kann. Ein absolutes Traum-Format!

– Ein drittes Mittel meiner Wahl, eine weitere Möglichkeit, diesen tiefsitzenden negativen Glaubenssatz „Ich muss funktionieren!“ aufzulösen, bietet das Re-Imprint-Format. Anders, als der sich vorsichtig vortastende Diamond zielt der Re-Imprint als Suchformat sehr fokussiert auf eine – zumeist kindliche – extrem negativ bewertete (bis traumatische) Erfahrung und will möglichst direkt und ohne Umwege auf diese ursächliche, extrem negativ und emotional bewertete Imprint-Situation, zusteuern. Da ich mich selbst relativ gut kenne und weiß, was ich mir selbst zumuten darf, könnte ich, um meinen Glaubenssatz „Ich muss funktionieren!“ aufzulösen, direkt den Re-Imprint als Format wählen. Um zusammen mit einem Klienten diesen Glaubenssatz aufzulösen, würde ich allerdings zuerst ein behutsameres Format – wie etwa den Diamond oder den Six-Step-Reframe mit kindlichem Anteil – wählen.

Foto Steve Buissinne auf Pixabay

Na also! Nachdem ich diesen limitierenden Glaubenssatz „Ich muss funktionieren!“ aufgelöst habe und außerdem weiß, dass es für mich immer Wahlmöglichkeiten gibt, kann ich die Thematik meiner Masterarbeit auch einfach etwas anders gestalten. Ich wähle kein Hobby, welches ich mit NLP verknüpfe, sondern ich möchte ein paar Gedanken über den Prozess niederschreiben, der in mir – durch die intensive Beschäftigung mit NLP – ausgelöst worden ist. Es ist nichts weniger als eine enorme Bewusstseinserweiterung, die jenseits davon angesiedelt ist, lediglich verbesserte, effektivere, geschliffenere Formen der Kommunikation zu erlernen und für jede sich bietende Situation griffbereit zu haben.

Für mich persönlich bietet NLP die Chance, mein Leben bewusster zu gestalten und mich – und die Menschen in meiner Umgebung – in all unseren Möglichkeiten besser erkennen und in all unseren Limitierungen besser verstehen zu können. „Die Wahrnehmung trainieren mit NLP “ eben.

Mit ein Grund, NLP bewusst in mein Leben einzubinden, ist die Tatsache, dass Richard Bandler (*1950) und John Grinder (*1939), die Begründer des NLP, so erfrischend undogmatisch vorgegangen sind in der Herausbildung ihres psychologischen Kommunikationsmodells. Sie waren nicht geleitet von der Absicht, ein hermetisch abgeschlossenes neues System zu schaffen, sondern von Anbeginn offen für bereits vorhandene geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Strömungen, therapeutische, psychologische oder philosophische Richtungen, die allesamt nur eines gewährleisten sollten: zielorientiert – nicht problemorientiert – zu sein.

Foto Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay

Die Bandbreite des Eklektizismus der beiden US-Amerikaner dabei ist groß, wie einige Beispiele zeigen: Bandler und Grinder haben sich erst einmal faszinieren lassen von der Kompetenz dreier Ausnahmetherapeuten – Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson – und diese dann in der Art, wie sie therapieren, welche Verhaltensmuster sie in ihrer Arbeit mit ihren Klienten zeigen, modelliert und damit die ersten Bausteine für das Kommunikationsmodell NLP zusammengetragen.

Ebenso fand die sublime Erkenntnis des antiken griechischen Philosophen Epiktet (um 50 – 138 n.Chr.) „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben“ Eingang in Bandlers und Grinders Gedanken-, Kommunikations- und Verhaltensmodell, lebt im modernen NLP-Kontext als wirkmächtiges Re-Framing weiter fort und geht der Welt nicht verloren.

Auch Paul Watzlawick (1921-2007), Kommunikationswissenschaftler und intimer Kenner menschlicher kommunikativer Abgründe, ist mit seinem unsterblichen Zitat „Man kann nicht nicht kommunizieren“ eine der wichtigen Säulen für eine der NLP-Vorannahmen, für das Axiom.

„Menschen haben zwei Ebenen der Kommunikation, die bewusste und die unbewusste.“

Dieses durchgängige Prinzip der Einbettung großer, gedanklicher, menschlicher Erkenntnis – über alle Zeiten hinweg – in dieses psychologische Kommunikationsmodell, macht NLP für mich zu einem reichen Instrumentarium und zu einer Richtschnur für „Bewusster leben“.

Der Nutzen und der sinnvolle Einsatz von NLP, wie er in vielen Artikeln im Internet gefunden werden kann, variiert – je nachdem, ob der Fokus auf die positive Veränderung persönlichen Verhaltens ausgerichtet ist, oder stärker den Business-Kontext (Verbesserung der individuellen Performance in Meetings – Werbung/Marketing – Sales) betont.

Für meine eigene Leitidee „Bewusster leben mit NLP“ halte ich mich deshalb an die Definition, die der DVNLP auf seiner Website formuliert:

„Neuro-Linguistisches Programmieren beschäftigt sich mit der subjektiven Wahrnehmung von Menschen.

Menschen unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie bestimmte Situationen, sich selbst, andere Menschen, ihre Beziehungen, ihre berufliche Tätigkeit und den Alltag erleben. Je nachdem, wie wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen, wie wir denken, fühlen und diese Gefühle bewerten, kann ein und dieselbe Situation als angenehm und wohltuend oder als schwierig und belastend erlebt werden. In diesem Sinne erschafft jeder einzelne Mensch seine eigene und einzigartige Realität.

Neuro-Linguistisches Programmieren, kurz: NLP, beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren unser Erleben steuern und wie wir unsere Erfahrungen selbst hervorbringen. Mit anderen Worten: NLP widmet sich dem Studium der menschlichen Subjektivität.

NLP handelt von Sprache und Kommunikation.

Unser Alltag besteht zu einem großen Teil aus Kommunikation – ganz gleich, womit wir beruflich oder privat unsere Zeit verbringen. Neben der Sprache gehören auch Mimik, Gestik, Tonfall und sogar Schweigen zu unseren Kommunikationsformen. Das bedeutet: Wir können nicht nicht kommunizieren. Was auch immer wir sagen oder tun, wie auch immer wir uns verhalten, wir senden permanent Botschaften an unsere Mitmenschen.

Neuro-Linguistisches Programmieren geht der Frage nach, wie Sprache und Kommunikation unser Denken und Handeln beeinflussen. Was sagen unsere Kommunikationsmuster über uns selbst aus und wie werden wir damit von anderen wahrgenommen? Neuro-Linguistisches Programmieren hilft, Kommunikationsprozesse besser zu verstehen und trägt dazu bei, dass Kommunikation gelingt …“.

Quelle: www.dvnlp.de/was-ist-nlp/methode

NLP widmet sich also „dem Studium der menschlichen Subjektivität“.

Es ist ein zutiefst humanistisch geprägtes Modell, das dem Menschen Hilfestellungen leistet, sein Leben – im Alltag, im Beruf, aber auch und gerade in der Sinngebung – zu bewältigen und individuell positiv und beglückend zu gestalten bzw. dahingehend zu verändern. Von dieser humanistischen Grundeinstellung legen die NLP-Vorannahmen beredt Zeugnis ab, wie z.B.

„Jedes menschliche Verhalten ergibt einen Sinn, wenn es im Kontext der „geistigen Landkarte“ der betreffenden Person gesehen wird.“
Alfred Korzybski (1879-1950)

„Jeder lebt in seinem Modell der Welt.“

„Menschen reagieren auf ihre eigene Abbildung der Realität und nicht auf die Realität selbst.“
Alfred Korzybski.

„Hinter jedem Verhalten steht eine positive Absicht.“

„Alle Menschen haben Ressourcen, um gewünschte Veränderungen vorzunehmen.“

„Der positive Wert eines jeden Individuums ist konstant.“

„Wir treffen stets die bestmögliche Wahl zum jeweiligen Zeitpunkt.“

„Die Angemessenheit des Verhaltens einer Person sagt nichts über ihren Wert aus.“

„Chunking – alle Menschen können Leistungen weit über ihre subjektiv empfundenen Grenzen hinaus vollbringen, wenn die Aufgabe in Stücke geteilt wird, die klein genug sind. „Wie isst man einen Elefanten? Happen für Happen.“

Diese Grundannahmen, die die Basis für mein Motto „Bewusster leben mit NLP“ bilden, sind weitgehend durchwirkt vom Erklärungsmodell und der psychologischen Schule der Humanistischen Psychologie. Einer der wichtigsten Vertreter dieser psychologischen Richtung war Carl Rogers (1902-1987), Entwickler der klientenzentrierten Psychotherapie. Sein Einfluss auf die gedankliche Ausrichtung von NLP zeigt sich deutlich in seiner Kernthese:

„Das Individuum verfügt potentiell über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu begreifen und seine Selbstkonzepte, seine Grundeinstellung und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern.“

Der Einfluss der Humanistischen Psychologie auf NLP als ein Menschenbild, das von der Erkenntnis ausgeht, dass sich Menschen aus eigener Kraft, mit den ihnen innewohnenden Ressourcen schöpferisch fortentwickeln können, um ihr ganzes inneres Potential zu verwirklichen, liegt mir in Hinblick auf mein Motto „Bewusster leben mit NLP“ weitaus mehr, als die Verkaufs- und Marketingtechniken, die mit diesem Kommunikationsmodell natürlich auch geschärft werden können.

Foto Gerd Altmann auf Pixabay

„Bewusster leben mit NLP“ ist natürlich und vor allen Dingen auch über die verschiedenen Formate möglich, die allesamt Zugänge und Hilfestellungen schaffen zur Veränderung des eigenen – als problematisch empfundenen Verhaltens und zur Verwirklichung – des inneren Potentials.

 

Auch sie sind humanistischen Werten verpflichtet, wie z.B.

  • Re-Framing befreit aus inneren Limitierungen
  • Mini-Change und die Ankertechniken mobilisieren die eigenen Ressourcen
  • WNP-Wahrnehmungspositionen ermöglichen Perspektivwechsel in schwierigen Kommunikationssituationen
  • Diamond und Re-Imprint leisten Hilfe zur Bewältigung und Auflösung negativer emotionaler Erfahrungen, die sich zu Glaubenssätzen verfestigten
  • Logische Ebenen schaffen Klarheit bei inkongruenten oder festgefahrenen Lebenssituationen
  • Kreativitätsstrategien – wie das Walt-Disney-Format – ermöglichen es Menschen Visionen erfüllbar werden zu lassen und die selbst gesetzten Grenzen zu erweitern.

Mit seiner letztlich dienenden Grundidee, sich dem „Studium der menschlichen Subjektivität zu widmen“, gepaart mit pragmatisch handhabbaren Formaten, die allesamt lösungs- und zielorientiert ausgerichtet sind, erweitert NLP die Perspektiven meines Verhaltens und vergrößert meine Handlungsspielräume. In meinen besten Momenten gelingt es mir tatsächlich, eine der wichtigsten Vorannahmen umzusetzen:

„Rapport bedeutet, dem anderen in seinem Modell der Welt zu begegnen.“

 

Autorin des Fachartikels: “Die Wahrnehmung trainieren mit NLP” ist Kerstin Möller, NLP Practitioner und NLP Master bei der Coaching- und Training Akademie in München

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