NLP Mentaltraining für Sportler

Angstüberwindung vor Sportwettkämpfen

Fallbeschreibung eines Coachings mit einem Sportschützen, der seine Leistung im Wettkampf nicht abrufen konnte.
Das NLP Mentaltraining für Sportler beschreibt mehrere Coaching-Sitzungen und ist geeignet zum Studium für fortgeschrittene Coaches.

  1. Beschreibung des Klienten-Anliegens

Bei dem Klienten handelt es sich um einen 20-jährigen, jungen Mann aus meinem privaten Umfeld, der mich um Unterstützung bei der Lösung seines Problems bat.

Um praktisch für mein Coach-Testing zu üben, bot ich ihm gerne an mit ihm zu coachen und wir haben über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit unterschiedlichsten Methoden an seinem Anliegen gearbeitet.

Er ist ein ehrgeiziger und guter Sportschütze im Bereich Luftgewehr- und Armbrustschießen, nimmt regelmäßig in der Regionalliga an Punktrunden teil, ist seit Jahren Teilnehmer bei oberbayerischen, bayerischen und Deutschen Meisterschaften und ist Mitglied im Armbrust-Nationalteam und war auch mit dieser Disziplin schon Teilnehmer einer Europameisterschaft.

  1. Beschreibung und Aufbau des Settings

Das Setting fand jeweils bei mir zu Hause statt in einem eigenen, nicht zur Wohnung gehörenden Raum. Dieses Büro ist ausgestattet mit Schreibtisch, einem kleinen Sofa, einem eigenen kleinen Bad und ich stellte noch einen Stuhl dazu, damit ich mich neben den Klienten (das Fenster im Rücken) in einem ungefähr rechten Winkel positionieren konnte. Auch ist genug Freifläche vorhanden, um im Stehen mit Bodenankern zu arbeiten. Desweitern im Raum vorbereitet hatte ich Gläser und eine Flasche Wasser, Taschentücher, Bodenanker, Stifte und Papier. Das Telefon war ausgeschaltet und die Familie informiert, uns nicht zu stören.

  1. Begrüßung / Smalltalk / Rahmenbedingungen festlegen

Während der Begrüßung (die Anredeform legt grundsätzlich der Coach fest und entscheidet dies aus dem Gefühl heraus) und ein wenig Smalltalk beobachtete ich den Klienten, um Hinweise zu erhalten und um einzuschätzen zu können, wie ich den Klienten am besten erreichen konnte.

Dabei achtete ich auf die Augenzugangshinweise, um feststellen in welchen Rep-Systemen sich der Klient überwiegend bewegt, auf die Sprache (Sprachrhythmus, Sprachmelodie als auch Sprachmuster, um zu prüfen, ob meine Annahme welche Sinneskanäle beim Klienten im Vordergrund stehen bestätigt werden, auf Körperhaltung und Hautfarbe, um seine momentane Befindlichkeit abzuschätzen.

An dieser Stelle wäre jetzt bei einer Selbständigkeit nötig, den Coaching-Vertrag zu besprechen und zu signieren, was natürlich im privaten Umfeld entfällt.

  1. Selbstvorstellung

Es folgte die Selbstvorstellung, die meine Person, meinen Bezug zum Coaching und die Arbeitsweise und Technik kurz vorstellt, mit der ich arbeite:

„Ich coache Menschen in Übergangs- und Veränderungssituationen, die in ihrem Prozess feststecken, Entscheidungshilfen benötigen, Ziele entwickeln und erreichen wollen, Verhaltensänderungen wünschen, Menschen mit Problemen, aus denen sie alleine keinen Ausweg finden und Unterstützung von außen benötigen.

Gemeinsam mit Ihnen / Dir möchte ich versuchen, Ihr / Dein Anliegen und dessen Ursachen zu klären und Sie / Dich zu befähigen Ihre / Deine Stärken und Potenziale besser zu nutzen.

Weg von der Konzentration auf das Problem, können Sie / Dich so zu einem lösungsorientierten Denken gelangen. Dadurch werden Sie / wirst Du Herausforderungen besser meistern und Ihre / Deine Kommunikation verbessern, was die Reaktionen Ihrer / Deiner Umwelt positiv verändern und Ihr / Dein Selbstbewusstsein beeinflussen wird.

Dies erreichen wir durch die Arbeit mit inneren Bildern und Gefühlen, dessen Methoden dazu aus dem NLP stammen.

Neurolinguistisches Programmieren bedeutet gehirngerechtes Lernen und den bewussten Einsatz von positiven Sprachmustern, das Sie / Dich befähigt, Ihr /Dein Unterbewusstsein zu beeinflussen, alte Programme loszuwerden, neue zu installieren. Denn Sie können alles erreichen, mit der Kraft Ihres /Deines Unterbewusstseins!“

  1. Kalibrierung und Rapportaufbau

Punkt 5 startete bereits beim Zusammentreffen mit dem Klienten und setzte sich fort, während der Klient (Punkt 6) sein Anliegen vortrug.

Unter Kalibrierung versteht man das Wahrnehmen kleinster Reaktionen des Gegenübers im Bereich Mimik und Körperhaltung, Stimme, Stimmmelodie, Sprechgeschwindigkeit und kinästhetische Beobachtungen, wie Hautfarbe und Gefühls-State des Klienten. Mit diesen minimalen, nonverbalen Hinweisen möchten wir den Klienten „abholen“, Vertrauen aufbauen und ihn „lesen“.

Zudem achtet man auf den Inhalt des Gesagten als auch auf das was nicht gesagt, sondern getilgt, oder verzerrt wird.

Durch Anwendung des Milton –Modells, indem der Coach gezielt nach dem Inhalt zwischen den Zeilen fragt, nach fehlenden Teilen forscht und sich genau beschreiben lässt, was der Klient in der erzählten Situation hört, fühlt, sieht usw. komplettiert sich nach und nach ein Gesamtbild der Person, die einem gegenüber sitzt.

Durch diese Hinweise und die Gesprächsinhalte bekommt der Coach die Informationen die er benötigt, um eine oder mehrere Interventionen zu wählen und sich einen Anwendungsplan zurechtzulegen.

Alle die bisher beschriebenen Parts führen im positiven Fall zum Rapport mit dem Klienten. Rapport bedeutet, die Welt eines anderen zu betreten, eine Beziehung aufzubauen, sich in die gleiche Richtung zu bewegen.

Dies verleiht dem Klienten Sicherheit und schafft Coaching-Bereitschaft.

Hilfreich ist es zudem während der Erzählung des Klienten, Aussagen, Glaubenssätze oder spezielle Beobachtungen zu notieren, um diese dann gezielt bei den Interventionen parat zum einzubauen zu haben, bzw. zu verändern.

Durch einen guten Rapport, also Coach und Klient sind sich sympathisch und haben einen „guten Draht“ zueinander gefunden, lässt sich erst die Coachbarkeit erreichen die nötig ist um erfolgreich miteinander zu arbeiten.

Die daraus folgende Anpassung von Bewegungen, Körperhaltungen, Sprachart und Sprachmuster die sich aus dem Repräsentations-System des Klienten ergibt nennt man „Pacing.“ kommen, indem er Bewegungen vorgibt und der Klient folgt, oder die vielleicht hektische Atmung durch seine eigene ruhige Atmung positiv beeinflusst usw.

Wenn „Leading“ funktioniert ist das der Test dafür, dass ein stabiler Rapport aufgebaut werden konnte.

  1. Schilderung des Anliegens

Der Klient schilderte mir sein Problem wie folgt:

Trotz großem Ehrgeiz und Trainingsfleiß und guten bis sehr guten, regelmäßig erreichten Trainingsergebnissen ist es ihm nicht möglich, diese guten Leistungen bei wichtigen Wettkämpfen und Meisterschaften zu zeigen. Meist bleibt er dabei weit unter seinen Erwartungen und das Weiterkommen zur nächsthöheren Meisterschaft ist gefährdet oder nicht möglich, oder aber die Platzierungen sind nicht zufriedenstellend. Er habe sein Training verstärkt, sich einen ehemaligen Weltmeister als Trainer besorgt, Workshops zum Thema Mentaltraining besucht, sich teilweise neues Equipment angeschafft und der Erfolg ist trotzdem ausgeblieben.

Dies hat zur Folge, dass die Nervosität über ein gesundes Maß bei Wettkämpfen ansteigt, die natürlich den Ablauf des Schießens sehr negativ beeinflusst und wiederum zu Misserfolgen führt. Er bemerke, wie dadurch seine Motivation weiterzumachen, zu trainieren sinke und er sich frage, ob die Weiterverfolgung dieses Weges Sinn mache. Zudem traue er seinen Fähigkeiten nicht uneingeschränkt und äußerte den Wunsch auch sein Selbstbewusstsein zu verbessern. Sein Ziel sei es bei Wettkämpfen „allen“ zeigen zu können, was in ihm steckt und dass er erfolgreich sein kann.NLP Mentaltraining für Sportler

Bild: Wohismargot, Pixabay

 

Glaubenssätze die ich während der Erzählung notierten konnte waren:

·         Ich bin gut vorbereitet!

·         Mir fehlt das nötige Selbstbewusstsein und die Ruhe, wenn es darauf ankommt!

·         Jeder Schuss zählt!

·         Wenn es läuft, dann ist Schießen einfach!

Zielformulierung des Klienten

„Ich möchte meine Leistungen zu denen ich fähig bin, bei Wettkämpfen umsetzen und zeigen können!“

(im professionellen Setting sollte an dieser Stelle geklärt werden, welches realistische Ziel der Klient von dieser konkreten Sitzung erwartet, dies hatte ich nicht gemacht!)

Meine Hypothese:

Ich nehme an, dass der Klient sich selbst am meisten Druck macht, eventuell auch das Ziel zu hoch gesteckt oder ungenügend strukturiert ist. Zudem benötigt sein Selbstbewusstsein eine Stärkung.

Um die Zielplanung des Klienten zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen entschied ich mich zunächst für ein Zielplanungsformat mit Hilfe der Time-Line.

  1. Interventionen:

Zielplanung mit Time -Line

-Zielbild finden, erfühlen und visualisieren (Siegerehrung auf einer Meisterschaft)

-Teilziele festlegen (Training weiterführen, sich um Änderung der Schießkleidung nach Gewichtsreduktion kümmern, Mentaltraining verstärken, Coaching in Anspruch nehmen)

-Machbare Reihenfolge der Etappenziele finden, mögliche Hindernisse definieren (fehlende Zeit durch Prüfungen im Studium, die sich mit Meisterschaften überschneiden, Ausscheiden aus Nationalteam, wenn Leistungen nicht kommen, nötige Neuanschaffung von Schießkleidung, wenn Änderung unrentabel wäre)

-deren Überwindung planen (Verein auch an Studienort zum Trainieren suchen, rechtzeitige Prüfungsvorbereitung beginnen)

-unrealistische Vorstellungen aussortieren,

-mögliche Partner und Unterstützer finden (Eltern, Trainer, Sportkollegen)

-herausfinden, welche Ressourcen dafür benötigt werden (Ruhe und Gelassenheit, Selbstbewusstsein, Struktur, Disziplin und gute Zeitplanung)

-herausfinden, welche der nötigen Ressourcen eine Stärkung benötigen

-mit diesen Ergebnissen dann Weiterarbeit mit anderen NLP-Techniken

Durchführung

Legen einer Timeline auf dem Boden und Anfangs- und Endpunkt als Gegenwart und Zukunft bezeichnen.

Utilisation

 Um den Klienten für die Auseinandersetzung mit seinem Thema vorzubereiten und Energie und Konzentration für die Coaching-Arbeit, als auch einen Zugang zu seinen Unterbewusstsein zur Verfügung zu haben, führte ich ihn durch eine kurze Entspannungsübung.

„Stelle Dich bequem hin, mit schulterbreitem Stand und lasse Deinen Körperschwerpunkt, ohne Kraft und Anstrengung über deinen Füßen auspendeln, so dass du einen sicheren und festen Stand bekommst. Richte nun deine innere Aufmerksamkeit auf deine Füße und stelle dir vor, dass diese Füße, die nun einen festen Stand auf der Erde haben, Wurzeln wie ein Baum in den Boden wachsen lassen. Die Vorstellung eines starken Baumes, der bei Sturm zwar schwankt, aber trotzdem Stand hält stärkt dich im Erleben deiner Standfestigkeit und Stärke. Dabei stelle dir vor, wie du aus der Erde durch das rechte Bein mit jedem Einatmen Kraft, Stärke und Energie in den Körper holst und bei jedem Ausatmen das in den Boden abgibst, was dich stören könnte, blockiert und belastet.“

Danach bat ich den Klienten, sich an den Anfang der „Time-Line“ in die Gegenwart zu assoziieren, indem ich ihn nach dem momentanen Befinden, der Sicherheit beim Schießen befragte, nach den machbaren Leistungen im Moment, den Umfang seines Trainings, nach der Situation mit seinem Trainer, seiner eigenen Tätigkeit als Jugendtrainer und die daraus folgenden Überschneidungen der Anforderungen.

Ich bat ihm nach Augenschluss sich in eine Trainingssituation zu begeben (Assoziation) und mir zu schildern, was er nacheinander macht, wer anwesend ist, was er dabei hört, sieht und vor allem, wie sich dies anfühlt. Das wichtigste Ergebnis seiner Schilderung war, dass er sich auf das Schießen jedes Mal freut.

Darauf ließ ich mir schildern, welche die nächsten wichtigen Wettkämpfe sind (er ging auf der Time-Line jeweils einen Schritt voran) und sich mit den verschiedenen Herausforderungen zu assoziieren und mir die Gefühle zu schildern.

Dabei zeigte sich eine wachsende Anspannung je höher und somit wichtiger die Wettkämpfe waren bis hin zu den Meisterschaften, die sich auf eine einzige Chance reduzieren und nur bei erfolgreichem Abschluss ein weiterkommen zur nächst höheren Meisterschaft ermöglichen.

Circle of Excellence

 Angekommen bei der Zukunft leitete ich den Klienten an, einen Erfolg bei der deutschen Meisterschaft zu visualisieren, wie er auf dem „Treppchen“ steht, seine Medaille überreicht bekommt, Gratulationen entgegennimmt.

Ich leitete ihn an, dieses positive Gefühl zu verstärken und wir ankerten es mit dem Format

„Circle of Excellence“

Definition Ankern

Als Ankersetzen bezeichnet man den Vorgang, ein positives Gefüh mit einem Auslöser zu verbinden und im Unterbewusstsein zu „verankern.

Beschreibung des T:I:G:E:R –Prinzips

Damit ein Anker funktioniert ist es wichtig folgende Prinzipien beim Vorgang des Ankersetzens zu beachten, damit dieser auch intensiv und mit zeitlichem Abstand zum Setzen wieder funktioniert.

„T“ wie Timing: sagt aus, dass der richtige Zeitpunkt für das Ankersetzen entscheidend für seine Funktionalität ist. Der richtige           Zeitpunkt ist der kurz vor dem Höhepunkt des positiven Gefühls

„I“ wie Intensität: es kann nur ein Gefühl geankert werden, dass da ist – nicht eines erzeugt werden. Deshalb ist es wichtig ein intensives Gefühl zum Ankern zu nutzen.

„G“ wie Genauigkeit: meint dass der Ort für den Anker genau gemerkt und festgelegt sein muss, damit die gewünschte Intensität beim Abfeuern erreicht werden kann

„E“ wie Einzigartigkeit: Um eine Vermischung mit anderen Ankern zu vermeiden und die Intensität zu erhalten ist es nötig, einen Anker-Ort zu wählen, der nicht ständig im alltäglichen Leben berührt wird.

„R“ wie Reinheit: Positive Gefühle stehen oft ganz nah zu weniger positiven z.B. Glücksgefühl und Wehmut, weil das Ereignis schnell vorbei ging. Beim Ankern auf Reinheit des Gefühls achten, damit kein negatives Gefühl mit dem positiven vermischt und mitgeankert wird.

Ziele der Technik des „Ankersetzens“

Mit Ankern wird es möglich, dieses positive Gefühl durch den festgelegten Reiz (z.B. Musik, Berührung u.ä) immer wieder abzurufen und dadurch in einen positiven Gefühls- State willentlich und bewusst zu kommen und somit seine Resilienz-Fähigkeit zu verbessern

Nach ausgiebigem Genuss dieses Gefühls bat ich den Klienten wieder zur Gegenwart zurück zu gehen und auf das Ziel in der Zukunft zu sehen.

Ich gab ihm den Ratschlag den Circle of Excellence in den Ablauf seiner Trainings- bzw. Wettkampfvorbereitung mit einzubauen und diesen immer wieder zu üben.

Dann blickten wir auf das Ziel und ich forderte den Klienten auf mögliche kleine Teilziele festzulegen und diese schrieb ich auf Moderationskarten. Auf der Time – Line brachte der Klient dann diese in eine sinnvolle Reihenfolge die aufeinander aufbaut, nachdem ich in aufgefordert hatte sich zu dissoziieren, d. h. aus der Timeline heraus zu treten und als „Unbeteiligter“ das Bodenbild zu betrachten. Nochmal assoziiert bat ich ihn, bei jedem Teilziel hinein zu fühlen, ob er Bedenken oder Hindernisse sähe, diese notierte ich ebenfalls.

Wieder beim Gesamtziel angekommen, wiederholten wir den Circle of Excellence nochmal und ich forderte den Klienten auf, sich zu fragen, hinzuspüren, ob es denn Widerstände gebe, die den Erfolg nicht unterstützen. (Öko-Check)Dies wurde verneint.

Zum Ende bat ich ihn, die von mir gehörten während des Einführungs-Gespräch nochmals zu wiederholen und diese jeweils auf eine Karte zu schreiben. Diese Karten sollte er mitnehmen und bis zur nächsten Sitzung positiv umformulieren. Zudem sollte er sich über Möglichkeiten Gedanken machen, die notierten Widerstände zu beseitigen. Danach beendeten wir dieses Setting.

  1. Interventionen in Sitzung II:

Meine Hypothese:

Dass der Klient unter Druck steht und dieser auch in einem gewissen Maße nötig ist, um in eine konzentrierte Wettkampfsituation zu gehen ist normal und nötig. Jedoch zeigt die übermäßige Nervosität, die ihm am sauberen, trainierten Ablauf seines Sportes hindert und so zu Misserfolgen führt, dass der Druck, bzw. die Nervosität zu hoch ist, um sie selbst mit Entspannungstechniken, wie autogenem Training, was dem Klienten bekannt ist, auf ein normales Maß zu bringen. Deshalb vermute ich, dass „Etwas“ oder „Jemand“ in diesen Wettkampfsituationen zusätzlich Druck verursacht. Eventuell ist es aber auch der Klient selbst.

Um dies herauszufinden, entschied ich mich als nächste Intervention für den Formatmix aus Aufstellen mit Hilfe von Bodenankern und den Wahrnehmungspositionen.

Aufstellungsformat aus dem Systemischen Block der Personal Coach Ausbildung der CTA:

Fragestellung: Wer beeinflusst Dich beim Wettkampf und in welcher Stärke?

Mit der Klärung dieser Frage wollte ich in die nächste Sitzung gehen. Die nötigen Schritte, um ein gutes Coaching zu ermöglichen sind bereits beschrieben und werde ich im weiteren Berichtsverlauf weglassen. Diese sind jedoch immer Voraussetzung!

Vorbereitet hatte ich wieder Stifte und Moderationskarten und nach den Vorbereitungsdetails bat ich den Klienten sich zunächst in eine Trainingssituation mit allen Rep-Systemen zu begeben, danach in eine Wettkampfsituation.

Durch gezieltes Fragen, versuchte ich ein möglichst realistisches Bild zu kreieren, nachdem ich diesen Sport selbst jahrelang und an denselben Orten als Leistungssport ausgeübt hatte, fiel mir das nicht schwer.

Die vom Klienten beteiligten Personen (Trainer, Schützenkollegen, Zuschauer, Familienmitglieder, Vereinsvertreter, Funktionäre und Aufsichten), die genannt wurden notierte ich zu der jeweiligen Situation und bat dann den Klienten mit Hilfe seiner Karte und den Karten die für die beteiligten Personen stehen auf dem Boden so anzuordnen, dass sichtbar wurde, wer ihn in den beiden Situationen jeweils nahe oder weniger nah steht, in welche Richtung die Personen sehen, wer ev. dazwischen steht usw.

Zunächst betrachteten wir dissoziiert diese Gesamtbilder und ich bat den Klienten zu schildern, was ihm auffällt. Dann, durch assoziiertes Hineingehen und Hineinfühlen in das Bild, selbst Klarheit über die Zusammenhänge und Beziehungsstärken der einzelnen Beteiligten zu gewinnen.

Wahrnehmungspositionen

Danach begleitete ich den Klienten beim Erleben, welche Personen er als unterstützend und welche er als belastend empfindet. Das interessante Ergebnis war, dass ihm Zuschauer und Funktionäre völlig gleichgültig sind in dieser Situation und dass er auch nicht seinen Trainerkollegen im Verein vertraut, nur seinem persönlichen Trainer.

Dies rührt daher, dass sein persönlicher Trainer ein immer noch erfolgreicher, früherer mehrmaliger Welt- und Europameister ist und er selbst inzwischen mehr Wissen und Erfahrung besitzt, als seine Trainerkollegen. Anspannung verursachen ihm Trainer von den Kadern oder dem Olympiastützpunkt, sobald diese von ihm beim Training bemerkt den Raum betreten, wird er unsicher und nervös, denn es ist ihm sehr wichtig, was sie von ihm halten und er möchte zeigen „was er drauf hat“!

Am meisten Druck macht er sich jedoch selbst durch seine eigene hohe und kompromisslose Erwartungshaltung.

Logische Ebenen

Als nächsten Schritt wählte ich das Format der logischen Ebenen, um dem Klienten seine Ressourcen bewusst zu machen, die er schon hat und die ihm bei der Überwindung der Hindernisse helfen können und um die Glaubenssätze mit ihrer neuen positiven Formulierung ansprechen zu können.

Am oberen Ende, der Vision angelangt, visualisierten wir nochmals das Erfolgsbild bei der Deutschen Meisterschaft, wie vorher beschrieben.

Als Ressourcen bezeichnet man die Anlagen, Eigenschaften, Potentiale, Fähigkeiten und Talente die jeder Mensch in sich trägt. Nach den Grundannahmen des NLP trägt jeder Mensch alle wichtigen Ressourcen in sich, um gewünschte Ziele zu erreichen. Es ist oft nur nötig diese wieder freizulegen, oder zu stärken, damit sie zum Tragen kommen können und der Person zur Verfügung wenn nötig, stehen.

Ziel der Technik: Ressourcenschicken

Um ein Persönlichkeitsteil (jede Person hat viele verschiedene Persönlichkeitsanteile, die ein Klient mit Hilfe des Coaches visualisieren kann und mit denen dann gearbeitet wird), das zu schwach ausgeprägt ist zu stärken und damit eine Verhaltensänderung zu erreichen, kann man mit der Technik „Ressourcenschicken“ arbeiten.

Dazu stellt man sich selbst bildlich in der Trance das zu stärkende Teil vor (oder leitet den Klienten entsprechend an) und schickt ihn durch den Kopf, die Beine oder sonst woher von einer Quelle (z.B. Universum, Glaube, andere Person, Liebe, Wärme…) Kraft und Energie, die man bildlich entstehen, in Bewegung kommen lässt und das zu stärkende Teil durch Empfang der Ressource dann auch verändert, z.B. größer macht oder farbiger, oder lauter. Dabei wieder mit dem VAKOG –Prinzip arbeiten, das bedeutet, es werden durch gezielte Fragen möglichst alle Sinneskanäle des Klienten angesprochen.

Dabei stehen die Buchstaben VAKOG für den Sehsinn (visuell), den Hörsinn (auditiv), den Tastsinn (kinästhetisch), den Geruchssinn (olfaktorisch) und den Geschmackssinn (gustatorisch).

Bild: Skeeze, Pixabay

Meine Hypothese:

Nachdem geklärt war, aus welchen „Richtungen“ der Druck meines Klienten im Wettkampf kommt, wollte ich ihn im nächsten Schritt unterstützen mit seinen „Angstgegnern“ (in diesem Fall, ihm überlegene Trainer, die auch Auswahlen für Kader treffen und auch er selbst) besser zu Recht zu kommen. Dabei sollte er in Kontakt mit seinen Persönlichkeits- und Gefühlsanteilen kommen, die dabei beteiligt sind und ihn zu einem Bewusstsein verhelfen, dass er selbst mit Hilfe der NLP-Techniken und Arbeit der inneren Bilder an seiner Nervosität im Ernstfall arbeiten kann und wie das funktioniert. Deshalb entschied ich mich bei der folgenden Intervention für die Teilearbeit.

Definition Teilemodell

Beim Teilemodell geht man von der Annahme aus, dass jede Person neben seinen bewussten Persönlichkeitsanteilen auch unbewusste Anteile existieren, die unser Verhalten maßgeblich beeinflussen. Diese kann man mit der Teilearbeit ansprechen, zwischen ihnen verhandeln, sie um neue Lösungsideen bitten und sie verändern, so dass sie dabei dem Klienten helfen z.B. unerwünschtes Verhalten ändern oder abstellen zu können.

Teilearbeit Gefühle im Wettkampf

Ich bat den Klienten nach der Utilisation mit seinem Gefühl während eines wichtigen Wettkampfes Kontakt aufzunehmen. Er verortete diese starke Anspannung in seiner  Körpermitte, und beschrieb den Teil als einen kantigen dunkelgrauen Block, der ihm Unbehagen und Druck in der Magengegend macht. Dann fragte ich nach weiteren Teilen, die sich eventuell zeigen.

Er nannte den Ehrgeiz, dieser erschien als eine kreisförmige, weiße Fläche links unten im Bauch und nahm relativ viel Raum ein.

Um den Klienten mehr in den Gefühls-State, seines Ehrgeizes betreffend zu vertiefen frage ich ihn genau nach Farbe des Teiles, ob etwas nebenbei zu hören, zu schmecken, zu riechen gibt, welch ein Gefühl er spüren könnte und wo das Teilchen in dem Raum zu der Nervosität steht.

Als weiteres Teil beschrieb der Klient ein Teil das transparent war und wie ein vasenähnliches Gefäß aussah. Er benannte es als Chance oder auch Wille zum Erfolg und verortete wieder nach dem VAKOG –Prinzip vor, das heißt, dass ich alle fünf Sinne bei der Empfindung des Teiles, abfragte.

Positive Absicht vom Verhalten trennen

Nun versuchte ich den Klienten in einen inneren Dialog mit den Teilen zu führen, um die positive Absicht vom Verhalten zu trennen, was eines der wesentlichen Säulen des NLP darstellt.

Nämlich die Vorannahme, dass jegliches Verhalten und sei es noch so deplatziert, immer aus einer guten Absicht heraus entsteht.

Ich leitete den Klienten an, jedes Teil, das sich zeigt zunächst freundlich zu begrüßen und ihm für sein Erscheinen /Mitarbeit zu danken.

Leitete dann jeweils den Klienten an, mit all seinen Sinnen und inneren Bildern die dazu entstanden in Kontakt zu kommen ganz konkret wahrzunehmen.

Dann bat ich ihn den Druck nach seiner Absicht zu befragen:

Folgende Antworten lieferte das Teil Nervosität /Druck/Unwohlsein:

  • Ich will dass es endlich funktioniert heute!
  • Heut kommt es darauf an!
  • Es gibt nur diese eine Chance!

Kreativen Teil befragen und Ressourcen schicken
Der nächste Schritt war nun, dass ich den Klienten bat, sich ein weiteres Teil vorzustellen, dass dem Druck / Nervosität als Ideengeber gegenübertreten sollte.

Das sogenannte „Kreative Teil“ war gelassen und strahlte Ruhe aus, es war rundlich und aus hellem Holz. Es bewegte sich leicht und sprunghaft und nahm Kontakt mit dem schweren Gefühl auf. Es fragte um Erlaubnis den Druck, die Anspannung, die ja wichtig und gut für einen Wettkampf sei, an stubbsen zu dürfen es damit es sich entfernter aus dem Bauchraum heraus bis in eine, dem Klienten angenehme Entfernung vor die Füße platzierte. Gleichzeitig bat ich den Klienten das Teil optisch an Größe und Gewicht zu reduzieren.

Teil Befragung des Teiles „Chance“ durch den kreativen Teil

Beim Besuch des Teiles „Chance“ erfuhr das kreative Teil, dass der Klient eigentlich seinen eigenen Fähigkeiten nicht genug traut. So füllten wir das Bild dieses Teiles (transparenten Vase) mit den Ressourcen Selbstbewusstsein und dem Wissen, dass der Klient gut im Training und vorbereitet ist. Danach folgte noch eine Portion blaue, ruhige Gelassenheit.

Teil Befragung des Teiles „Ehrgeiz“ durch den kreativen Teil

Das kreative Teil gesellte sich nun zum letzten der drei Teile, dem Ehrgeiz und Siegeswillen. Dieses sprach mit dem kreativen Teil und teilte mit: „Ich möchte, dass ich gut bin!“ Das Kreative Teil machte den Vorschlag, dass dieses Teil doch die Formulierung positiver gestalten sollte und es wurde sich geeinigt auf den Satz: „Ich bin gut!“

Den Unterschied dieser beiden Aussagen versuchte ich dem Klienten spüren zu lassen.

Danach bat ich den Klienten dem kreativen Teil herzlich für seine Mitarbeit zu danken.

Ökologischer Check

Jetzt befrage ich durch den Klienten die anderen anwesenden Teilchen, ob sie mit den vorgeschlagenen Lösungen und Veränderungsvorschlägen und Aufgabenstellung des kreativen Teiles einverstanden wären, was alle gefragten Anteile bejahten, nachdem ich den Klienten nochmals in das Gefühl eines jeden Teiles nacheinander geführt hatte.

Nachdem ich den Klienten aufforderte, das „Zielbild“ (Erfolg feiern auf der Siegerehrung einer Meisterschaft) zusammen mit seinem neu gestärkten Selbstbewusstsein nochmals zu visualisieren, sollte er es gedanklich größer machen und, in einen schönen Rahmen setzen und es mit strahlenden Farben und Glanz versehen. Nach Verstärkung dieses Gefühls sollte er dazu nochmals den Anker auslösen, den wir in der Trance zur Steigerung des Selbstbewusstseins installiert hatten. Vor Ende der Sitzung durfte er diese großartige Gefühl nochmals spüren und genießen, bevor ich den Klienten behutsam aus der Arbeit zurückholte.

Wir bedankten und verabschiedeten uns von seinen Persönlichkeitsteilen und ich bat ihn nun bewusster und tiefer zu atmen und seine innere Aufmerksamkeit langsam wieder Richtung Außenwelt zu konzentrieren, dabei sollte er sich wieder beginnen zu bewegen, zu dehnen und strecken, so dass der Kreislauf wieder in Schwung kommt und er sich bereit fühlte wieder die Augen zu öffnen und mit der Wahrnehmung in den realen Raum zu treten.

  1. Interventionen: in Sitzung IV

Neu formulierte Glaubenssätze mit Hypnose-Sitzung im Unterbewusstsein verankern und Selbstbewusstsein stärken

Zur Vorbereitung dieser Sitzung habe ich eine Decke für die Hypnose bereitgelegt und die Textvorlage (siehe Überschrift) auf mein Setting abgeändert. Bevor wir in die Sitzung starteten überprüften wir beide die geänderten Glaubenssätze und befreiten sie noch von unsauberen Formulierungen wie z.B. „Wenn es läuft ist Schießen einfach“ wurde zu „Schießen ist einfach“.

Nachdem sich der Klient auf der Coach bequem gemacht hatte, erklärte ich noch, dass Hypnose oder Trance nichts mit der Vorstellung zu tun hat, die man oft in den Medien sieht, dass Probanden zu willenlosen Werkzeugen des Hypnotiseurs werden und sich auf der Bühne vor Publikum bloß stellen.

Der Klient wird während des gesamten Prozesses Herr seines Willens und seiner Bewegungen bleiben, es wird auch die Ratio nicht vollständig ausgeschaltet werden, sondern Gedanken werden kommen und er solle sie einfach weiterziehen lassen. Auch werde ich im Prozess ihm die Entscheidung lassen, wie tief er in den Trancezustand gehen möchte und ihm durch Abfragen während der Übung eine Wahlmöglichkeit lassen.

Nach dem Augenschluss konzentrierst du dich auf deine Atmung, wie sie natürlich kommt und geht und beobachtest wie sich dein Brustkorb dabei hebt und senkt. Und während du auf meine Stimme hörst, sinkst du bei jedem Ausatmen tiefer und tiefer in einen angenehmen Zustand der Schwere und Entspannung. Bei jeder Atembewegung spürst du, wie deine Muskeln sich entspannen und schwerer und schwerer werden. Nach einigen weiteren Atemzügen beginnst du eine Reise durch deinen Körper und lenkst deine Aufmerksamkeit zunächst auf deine Arme (dann verschiedene weitere Körperteile ebenso ansprechen) und spürst wie sie fester und fester auf dem Boden / dem Stuhl aufliegen….

Die Durchführung des
Hypnoseformates für Zielfindung, Stärkung des Selbstbewusstseins

schloss ich nach der Utilisation an und hatte es so abgeändert, dass auf die leere Tafel in dem Vorlagetext (von Torsten Kott) dann die neuen Glaubenssätze „geschrieben“ wurden.

Inzwischen sind die ersten Rundenwettkämpfe sehr erfolgreich gelaufen und die ersten Meisterschaften starten in Kürze. Der Klient meldete mir nach diesen anhaltend hohen Trainings- und Wettkampf-Ergebnissen zurück, dass er daran glaube, dass das Coaching erste Wirkungen zeige und bat mich in einigem zeitlichen Abstand wieder mit ihm zu arbeiten.

Bild: Daniel Reche, Pixabay

Autorin des Fachartikels “NLP Mentaltraining für Sportler”:
Susanne Hirschvogel, Personal Coach der ECA und Absolventin der Coaching u.-Training-Akademie

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