NLP Anwendung in einer Alltagssituation

Ziel des NLP ist es mitunter, die verschlüsselten internen Programme, die in jedem Menschen vorhanden sind und unbewusst wirken, zu entschlüsseln. Dadurch können sie so verändert werden, dass sie zielführend sind.

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Auch ich habe in mir immer wieder solche „internen Programme“ entdeckt und in ihrem Ablauf beobachten dürfen. Insbesondere, wenn ich mit meinem Partner gestritten habe. Meistens, wenn er – mal wieder – zu viel gearbeitet hatte. Durch meine NLP Ausbildung bei der CTA wurde mir immer mehr bewusst, dass meine Reaktion auf sein Verhalten – und das dazugehörige stark ausgeprägte Gefühl der Wut – nicht angemessen sein kann. Durch die gewonnenen Erkenntnisse aus dem NLP habe ich begonnen mich selbst zu hinterfragen.

Zunächst habe ich mich ganz in Ruhe auf meine Yoga Matte gesetzt, um in einen meditativen Zustand zu gelangen. Alle Nebengeräusche und Gedanken habe ich ausgeblendet, um mich immer mehr mit mir und der konkreten Situation zu befassen. Ich habe begonnen mir selbst diverse Fragen aus dem „Metamodell der Sprache“ zu stellen, um herauszufinden, woher diese Wut auf seine langen Arbeitszeiten kam. Irgendwann bin ich bei den „komplexen Äquivalenzen“ angelangt und dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich immer den Rückschluss gezogen habe, dass seine langen Arbeitszeiten etwas mit mir zu tun haben müssen. Durch weitere Metafragen gelang es mir, immer tiefer in dieses Gefühl hinein zu tauchen, bis sich irgendwann folgender Satz zeigte:

Seine langen Arbeitszeiten bedeuten automatisch, dass er mich nicht liebt!

Dieser Erkenntnis bin ich nun noch tiefgehender auf den Grund gegangen, da ich hinter dieser einen tiefsitzenden Glaubenssatz vermutete. Die Existenz von „Glaubenssätzen“ durfte ich auch erst durch das NLP kennenlernen. Solch eine weitreichende Erkenntnis wäre mir ohne die NLP Ausbildung niemals bzw. nicht so rasch gelungen. Um den Glaubenssatz noch weiter zu entschlüsseln, stellte ich mir noch weitere „Meta Fragen“, bis mir irgendwann bewusst wurde, dass mir diese Situation bzw. dieses Gefühl aus meiner frühen Kindheit durchaus bekannt war.

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Mir ist nämlich eingefallen, dass mein Vater auch immer sehr lange arbeiten musste und einfach keine Zeit für mich hatte bzw. nicht so viel Zeit wie ich als kleines Kind gebraucht hätte. Damals war ich auch sehr traurig, dass mein Vater so viel in der Arbeit gewesen ist und deswegen u.a. auch nicht zu meinem ersten Schultag mitgekommen ist. Dadurch habe ich wohl mit der Zeit das Gefühl bzw. den Glaubenssatz entwickelt, dass Arbeiten wichtiger ist, als ICH.

Daher reagierte ich oft mit heftiger Wut darauf, obwohl dies mit Sicherheit nur mein „Sekundärgefühl“ war/ist und mein „Primärgefühl“ die „Trauer und Einsamkeit“ darüber, dass keiner Zeit für mich hat.

Ich habe einen kurzen Zwischenschritt eingebaut und legte mir die Bodenanker der verschiedenen Wahrnehmungspositionen aus. Die „Ich Position“ konnte ich schon etwas gelassener und ohne diese ganze Wut assoziieren. Ich war zwar immer noch etwas wütend, aber nicht mehr in diesem Maße. Als ich mich in die „Du Position“ meines Freundes begab und voll assoziierte, verspürte ich einen richtigen Druck im Hals und auch eine Art Hilflosigkeit. Ich fühlte mich nicht verstanden und als Lügner deklariert, was mich wiederum wütend machte. Jedoch spürte ich, – als er auf mich gesehen hatte – dass er es ernst mit mir meint und die Wahrheit spricht und er selbst sogar teilweise von seiner Arbeit genervt ist. Als ich auf der „Meta Ebene“ gestanden bin, wurde mir ganz klar bewusst, dass wir beide einfach „nur“ miteinander kommunizieren müssen und jeder ein Stück Verständnis für den anderen aufbringen sollte und alles kein so großes Drama sei, wie wir beide annahmen.

Durch diese gewonnene Erkenntnis konnte ich meinem Freund ganz anders begegnen – nämlich auf Augenhöhe. Ich habe mich ihm gegenüber im „erwachsenen ICH“ gezeigt und ihm einfach die Geschichte aus meiner Kindheit anvertraut und auch, dass immer so ein Trauergefühl in mir hochkommt, wenn mich wieder die Nachricht ereilt, dass er länger im Büro sein muss. Dadurch konnte er mir mit Mitgefühl und Verständnis gegenübertreten und er hat mir versichert, dass es nichts mit mir zu tun habe und er sogar lieber bei mir wäre, als bis spät abends vor dem Rechner zu sitzen, aber dass es eben manchmal einfach nicht anders ginge.

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Ich konnte dies zum ersten Mal auch so annehmen und wirklich verstehen. Seitdem ist unsere Beziehung noch intensiver und tiefer gewachsen. Denn immer, wenn dieses Trauergefühl in mir hochkommt, erinnere ich mich daran, dass es NICHTS mit der jetzigen Situation zu tun, sondern eben ein altes Gefühl ist, welches noch mitschwingt. Ganz weg ist es immer noch nicht, aber ich bin diesem Gefühl zumindest nicht mehr so hilflos ausgeliefert, sondern kann bewusst darauf reagieren und das macht die Situation und mein Beziehungsleben schon um einiges einfacher und wertvoller. Dafür bin ich den Begründern von NLP äußerst dankbar!

Autor des Artikels ist eine Absolventin der Practitioner-Ausbildung der Coaching und Training-Akademie