Mit dem NLP-Format: Anker verschmelzen zu mehr Abgrenzung.
Ein Beitrag von Katharina Reiss – NLP Practitioner.

Für mich als hochsensible Person ist es oft ein Horror mich auf überfüllte Plätze zu begeben. Hier rennende Kinder, dort eine rufende Person. Eine Frau die laut klackend über das Kopfsteinpflaster hastet. Der bellende Hund in der Ferne. Das Wasserspiel am Brunnen – plötzliche Unterbrechungen folgen nach hoch schießenden Fontänen, die laut prasselnd und plätschernd zurück auf die Wasseroberfläche knallen. Die Gruppe Japaner, die sich laut gackernd vorm Telespargel fotografieren lässt. Der eine oder andere, der gehetzt vom Zeitdruck über den Platz huscht und den scheppernden Rolli hinter sich herzieht. Die S-Bahn die vorbei rattert. Der Radfahrer der mit zu schneller Geschwindigkeit mitten über den Platz saust und Passanten gerade noch so ausweicht. Die Teenager die lauthals grölen. Die zwei Freundinnen, die wild durch einander reden. Der Kellner am Rande des Platzes, dem die Kaffeetasse klirrend zu Boden fällt. Der Wind der plötzlich über den Platz fegt. Bauarbeiter die sich genervt zu rufen. Hupende Autofahrer irgendwo. Schrille Farbkombinationen im Kleidungsstil. Der Duft von Kaffee und Autoabgasen, gemischt mit kulinarischen Gerüchen… ein nicht endende Flut an Einflüssen.

Doch hier ist für mich oft nicht Ende mit den Eindrücken. Ob ich nun will oder nicht, nehme ich die Entspannung des Dreadheads wahr, der im Seinsmodus unterwegs ist, für den alles gut ist so wie es ist. Die tiefe Vertrautheit des Paares jenseits der 60. Die Glückseligkeit zweier frisch Verliebten. Die volle Präsenz des Hundes, das „in sich ruhen“. Das Ausleben der Primärgefühle des Babys. Die Zweifel der Teenager in sich. Die Angst vor Einsamkeit des Kellners. Der (selbst gesetzte) Leistungsdruck, derer die über den Platz hetzen. Die Präsenz und Leichtigkeit der tobenden Kinder. Die Freundinnen die sich nicht ausreden lassen, weil sie sich gegenseitig die Knöpfe drücken.

Foto: Pixabay

Und dann sind da noch die unzähligen diffusen Primärgefühle, wo bei mir nur ein „da stimmt was nicht“ ankommt. Das was an Sekundärgefühlen im Außen nicht mit dem übereinstimmt was sonst noch zu mir durchdringt, irgendwas ist inkongruent.

In dieser Reizüberflutung verliere ich mich dann selbst. Dann stehe ich überstimuliert an so einem vollen Platz, möchte nur noch die Flucht ergreifen.

 

Seit dem Format Anker verschmelzen kann ich mich in solchen Situationen schneller wieder erden.

Mein positiver Anker dazu ist das Watt. Die Weite. Der Himmel, die Wolken, die sich in den letzten Wasserrückständen und Prielen spiegeln. Die feinen Wellen im Sand, die zurückbleiben, weich und matschig unter meinen nackten Füßen. Die Stille in dieser weiten, sandig-matschigen Landschaft. Der Wind, der meine Haare zerzaust, immer wieder die Richtung ändert. Der salzige Geruch in der Luft. Die Farben dieser Landschaft verschmelzen Ton in Ton.

Befinde ich mich nun an so einem energiegeladenen und vollen Platz in der Stadt und ich merke wie ich langsam wieder zu viele Reize und Gefühle aufschnappe, lenke ich meine Wahrnehmung auf den Wind, in den Haaren und auf meiner Haut, das Rauschen in den Blättern. Die Wolken die vorüber ziehen. Und meine Gedanken und Wahrnehmungen die es den Wolken gleich tun dürfen. Und vor allem: den Fokus auf die Füße: matschiges, sandiges Watt zwischen meinen Zehen.

NLP werde ich weiterhin für mich in erster Linie zur Abgrenzung nutzen und um mich über die Meta-Position darauf zu fokussieren was ich in solchen Situationen benötige, um trotz der feinen Wahrnehmungen in mir ruhen zu können.

Future-Pace geglückt: ich freu mich schon aufs üben am Telespargel im Spätsommer 😉

Foto: Pixabay

 

 

 

 

 

 


Anmerkung von Tanja Lachmayr-Kott (CTA-München)

Hochsensibilität bezeichnet ein psychologisches und neurophysiologisches Phänomen. Betroffene nehmen Sinnesreize viel eingehender wahr, verarbeiten diese tiefer und reagieren auch dementsprechend stärker darauf als der Bevölkerungsdurchschnitt.
(Quelle: Wikipedia)

Leider werden Hochsensible in Deutschland häufig noch belächelt und nicht genügend ernst genommen.

Ein Grund hierfür könnte sein, dass es bisher noch keine eindeutige und allgemein anerkannte neurowissenschaftliche Definition des Phänomens Hochsensibilität gibt. Diesen Umstand führen Neurowissenschaftler darauf zurück, dass die Forschung dazu (High-Sensitivity-Forschung) noch ganz am Anfang steht. (Quelle: Wikipedia)

Ein weiterer Grund kann auch sein, dass Menschen die von Hochsensibilität nicht betroffen sind, schlichtweg nicht nachempfinden können und keinerlei Vorstellung davon haben, wie sich für Hochsensible „ganz normale“ Alltagssituationen gestalten können.

Wir von der CTA schätzen uns glücklich, dass an unseren NLP-Ausbildungen immer häufiger hochsensible Menschen teilnehmen. Wie hilfreich NLP für hochsensible Menschen ist, zeigt uns die Fallbeschreibung unserer Kursteilnehmerin, Katharina Reiss.

Ein herzliches Dankeschön an Kathy für ihre Geschichte und wie sie sich inzwischen mit NLP selbst coacht. Und vielleicht ein Anreiz für andere hochsensible Menschen, sich nicht abzufinden, sondern sich selbst zu helfen.