Train the Trainer – Fortbildung mal anders!

Als NLP Trainer sind wir es gewohnt, ins Leading zu gehen. Denn wer nicht fähig ist, die Führung zu übernehmen, dessen Gruppe wird bald in einem Chaos versinken und gutes Lernen wird unmöglich werden. Doch das ist ja kein Problem, es ist schließlich unser tägliches Brot, hier genau das richtige Maß zu finden und so  jedem Teilnehmer unserer NLP-Gruppen das bestmögliche Lernen zu ermöglichen.

Doch auf für uns hört das Lernen nie auf. Und weil wir ja gerade im Trainer-Bereich gerne mal etwas Neues ausprobieren und Coaching und Training mit tierischen Trainingspartnern immer häufiger in den  Fokus tritt, beschlossen wir den nächsten Urlaub mit einem Versuch zu verbinden.

Eine Woche in den schönen bayerischen Wald zum Eselwandern. Es erwarten uns die Eselstute Valerie und der kleine Esel Fridolin. Gut, ob die beiden uns jetzt sozusagen sehnlichst erwartet haben, das bleibt mal dahingestellt, aber Susa die Profi-Eselfrau meinte, die beiden wären brav und wählte sie eben für uns aus.

Dürfen wir vorstellen: Valerie und Fridolin – unsere vierbeinigen Trainer.

Am ersten Tag unserer Wanderung hieß es dann erstmal die Kompetenzen zu klären.

Und uns war klar. Wir Menschen sind der Chef und entscheiden wo und wie es langgeht. Klar, schließlich können wir die Wanderkarte lesen und die Esel nicht. Und damit unsere Esel uns nicht in der Gegend umherschleifen, gilt es liebevoll aber konsequent zu sein. Dann kann nichts schiefgehen.

Denkste.

Ok, zu Anfang ging das ganz gut. Nach ungefähr einer Stunde folgten uns die Esel brav und wandten sich auch nur dann dem vielen guten Gras zu, wenn wir es ihnen erlaubten. Super, war hatten also erfolgreich die Führungsrolle übernommen.

Für ungefähr noch zwei weitere Stunden.

Dann beschloss Esel Fridolin, dass es jetzt genug ist und blieb mitten am Weg stehen. Und da stand er dann. Also erstmal sanft am Strick ruckeln. Dann etwas fester. Fridolins Hals wurde länger, die Beine aber bewegten sich nicht. Hm. Ich dachte, die Führungsrolle wäre geklärt. Ich versuchte es mit einem kleinen Klaps. Kein Problem für Fridolin. Er drehte einfach sein Hinterteil auf die Seite – das geht nämlich auch, wenn die vorderen Beine weiterhin in den Boden gestemmt werden.

Um es abzukürzen. Nach einer halben Stunde gaben wir es auf und warteten. Ungefähr nochmal eine halbe Stunde. Und dann beschloss Fridolin ganz alleine, dass es jetzt Zeit sei zum Weiterlaufen und marschierte los, als sei nichts gewesen.

Als sein nichts gewesen, nachdem er eine halbe Stunde am selben Fleck stand;-)

Soviel also zum Leading. Geht wohl bei einem Esel irgendwie anders. Oder genauer gesagt, am besten geht es, wenn man sich darauf beschränkt, über die Richtung zu entscheiden, das Geh-Tempo aber dem Esel überlässt. Das sieht dann folgendermaßen aus: Er läuft ein paar Meter, dann bleibt er stehen und beschließt zu pausieren. Also warten. Und siehe da – schon nach kurzer Zeit läuft wer wieder los. Ok, wieder nur ein paar Meter und das Spiel beginnt von vorne.

Zeit für ein bisschen Selbstbeobachtung. Wie kann ich damit umgehen, wenn mein vierbeiniger Partner das Tempo bestimmt und es eben alles andere als eilig hat? Eigentlich ganz gut. Entschleunigung ist angesagt. Zeit mal ein bisschen den Esel zu kraulen, sich die Gegend anzuschauen und darüber nachzudenken, dass es ja auch egal ist ob man sein Tagesziel früher oder später erreicht. Und wer langsam geht, sieht auch die schönen Blumen am Wegesrand.

Vorausgesetzt der Esel hat sie nicht vorher aufgefressen, was eher eine Spezialität von Valerie ist, die Torsten gerade beibringt, dass sie ihm bereitwillig eine Weile folgt. Und zwar genau so lange bis sie dann doch beschließt, dass es Zeit ist zum Grasen. Aber eben nicht immer. Ab und an, wenn Torsten sie ermahnt, dass jetzt nicht gefressen wird, gibt sie ihm auch artig nach und wartet bis er sie von sich aus auf eine schöne Wiese führt. Wie gesagt. Ab und an. Besser gesagt, zu ungefähr 50 %. Die anderen 50 % schleift sie ihn einfach zu den von ihr ausgesuchten Grasstellen. Doch irgendwie kamen wir trotzdem immer voran.

Der Esel sucht sich das beste Gras und wir machen das Beste daraus.

Dass wir brav stehenblieben und warteten wenn es etwas für Esel wichtiges zu sehen, zu hören oder zu riechen gab, verstand sich ab dem zweiten Tag bereits von selbst. Und irgendwie bemerkten wir gar nicht, dass unsere beiden Langohren von Tag zu Tag mehr das Leading übernahmen. So ganz heimlich, mit liebevollem Eselblick, uns zugewandten langen Eselsohren oder mal einem sanften Stupsen oder Knabbern. Wir konnten ihnen einfach nicht böse sein, auch dann nicht wenn wir mal wieder wartend in der Gegend rumstanden, weil unsere Esel beschlossen, dass jetzt Pause ist.

Und trotz alledem. Wir kamen immer pünktlich an unseren jeweiligen Stationen an. Dabei immer bestens gelaunt und auch nach einer täglich mehrstündigen Wanderung immer fit und ausgeruht.

Susa erzählte uns vor unserem ersten Abmarsch noch etwas vom sogenannten Yoga-Wandern. Man geht  30 Schritte und macht dann ein paar Atemzüge Pause. Dann wieder 30 Schritt, wieder Pause und so immer weiter. Angeblich das ideale Training für eine gute Kondition und Fettverbrennung- bei Profi-Sportlern sehr beliebt.

Mal ehrlich. Würdest du den ganzen Tag deine Schritte zählen und nach 30 Schritten brav pausieren? Wohl eher nicht. Aber mit einem Esel dann doch. Denn der zählt zwar keine Schritte, aber er hat den Bogen mit dem pausieren raus. Und er bleibt dann eben stehen. Und du dann eben auch. Und das geht dann so den ganzen Tag. Gehen – stehen- gehen- stehen. Am Abend bist du tiefenentspannt, hungrig und bei bester Laune.

 

Im Gespräch mit dem vierbeinigen Partner.

Nachdem Valerie und Fridolin uns also davon überzeugt haben, dass wir das Leading in 50/50 aufteilen, (wir durften die Richtung vorgeben, die beiden Esel bestimmten das Tempo) konnten wir von Tag zu Tag mehr entspannen und uns auf unsere Wahrnehmung zu unseren vierbeinigen Partner konzentrieren. Uns so wurde jede Wanderung zu einem Erlebnis echter Partnerschaft zwischen Mensch und Tier. Ein Konzept, welches wir in unsere nächste NLP-Trainer-Ausbildung mit aufnehmen werden. Train the Trainer- im wahrsten Sinne.

Mit fortgebildeten Grüßen

Tanja und Torsten

Und irgendwann hatten wir den Bogen raus und die Kommunikation klappte hervorragend.